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Teamdiagnostik – Puls messen in der Organisation

Für Mediziner*innen ist die Pulsmessung eine der wichtigsten Untersuchungen. Sie legen ihre Finger auf die Arterie und ziehen daraus Rückschlüsse auf Frequenz und Qualität des Herzschlags sowie auf die Kreislaufsituation. Pulsmessungen sind auch im Organisationsumfeld machbar und möglich: zu spüren, ob sich die Zahl der Schläge erhöht, ob Auf- oder Erregung herrscht, ob die Stimmung kippt oder ob Gleichklang, Ruhe und Produktivität vorherrschen.

Hinspüren als tägliche Pulsmessung

Viele Organisationen erheben über Befragungen, wie es den Mitarbeitenden geht und welche Anliegen, Sorgen und Wünsche sie haben. Genauso wichtig ist aber eine ganz simple Form der Pulsmessung, die jede*r Projekt- und Teamverantwortliche, jede Führungskraft jederzeit anwenden kann: das Hinspüren. Das klingt esoterisch, ist es aber nicht. Beobachten Sie, wie sich Ihr Team im „Ruhezustand“ verhält. Wie gehen die Teammitglieder miteinander um? Wie wird miteinander diskutiert, gelacht, einander geholfen? Was sind die verbindenden Elemente im Team? Wenn Sie eine solche „Messung im Ruhezustand“ für sich ganz persönlich gemacht und idealerweise auch dokumentiert haben, bemerken Sie Veränderungen. Regelmäßig hinzuspüren, sprich konzentriert zu beobachten und zeitgerecht Schlüsse zu ziehen, gehört zur ersten Aufgabe wirksamer Führungskräfte.

Wo die eigene Wahrnehmung an Grenzen stößt

Manchmal aber überfordert auch das. Oder es kommt das Gefühl auf, es ändere sich nichts Beobachtbares, und dennoch hat sich die Atmosphäre gewandelt. Oder es lässt sich so viel beobachten, dass der Überblick verloren geht. Oder etwas wird sichtbar, lässt sich aber nicht einordnen. Ist es nur eine individuelle Wahrnehmung? Fällt es auf, weil eine Person besonders präsent auftritt? Ist es schon eine Tendenz im Team oder nur eine laute Stimme? Und was wird im Team aus Harmoniebedürfnis ausgeblendet?
In der Realität ist es oft so, dass gerade jene Mechanismen, die die interne Kultur am stärksten prägen, für diejenigen, die in ihr handeln, am schwersten zu erkennen sind, trotz aufmerksamen Hinspürens. Viele Regeln, Gewohnheiten und Entscheidungsgrundlagen bleiben für die Mitglieder von Organisationen und Teams verborgen, weil sie so selbstverständlich zum Alltag gehören. Sie sind so tief in die alltäglichen Praktiken eingelassen, dass sie für die Beteiligten den Charakter von Tatsachen angenommen haben: Selbstverständlichkeiten in Entscheidungsprozessen, in der Gesprächskultur, in eingespielten Ritualen und Routinen, die niemandem mehr auffallen und die nie hinterfragt oder ausgesprochen wurden. Führungskräfte betrifft das in besonderer Weise, denn sie sind nicht nur Beobachtende des organisationalen Alltags, sondern selbst Teil jener Struktur, die sie zu verstehen versuchen.

Der Blick von außen beginnt mit einer Bestandsaufnahme

Wer in einem System lebt, dessen blinde Flecken Teil des eigenen Sehens geworden sind, braucht einen Blick, der nicht in denselben Selbstverständlichkeiten verankert ist. Daher lohnt sich immer wieder der Blick von außen.
Und dieser Blick beginnt nicht mit Lösungen, sondern mit dem, was in der Organisation selbst nicht geleistet werden kann: mit einer systematischen Bestandsaufnahme aus einer dritten Perspektive, also dem Blick einer neutralen Instanz, die selbst nicht Teil des Systems ist. Das bedeutet, die verborgenen Regeln sichtbar zu machen, die neben den offiziellen existieren, die informellen Erwartungen zu identifizieren, die das Verhalten stärker steuern als jedes Leitbild, und die Stellen zu finden, an denen das Proklamierte und das Gelebte auseinanderfallen.
Eine solche Bestandsaufnahme gehört an den Anfang jedes Entwicklungsprozesses, der idealerweise mit einer Diagnostik startet. Denn ein Teamentwicklungsprozess kann durchaus am Manifesten ansetzen, an dem also, was unmittelbar sichtbar ist, und dort auch einiges bewirken. An manche Themen kommt er auf diesem Weg jedoch nicht heran. Sie verändern sich nicht, solange ihre eigentlichen Ursachen unberührt bleiben, und genau diese Ursachen liegen selten offen. Die Hebel, die eine Veränderung oder Entwicklung tatsächlich ermöglichen, werden erst mit den richtigen Instrumenten greifbar. Ein Team zunächst zu analysieren und zu diagnostizieren, heißt deshalb, eine verlässliche Basis für die Planung und die Reflexion des weiteren Prozesses zu schaffen. Statt weiter zu spekulieren, werden Strukturen, Tendenzen, Einstellungen, Wahrnehmungen, Stimmungen und Perspektiven mit wissenschaftlichen Erhebungs-, Auswertungs- und Analyseverfahren systematisch erschlossen.

Was sich erheben lässt und womit

Erheben lässt sich dabei weit mehr, als zunächst zu vermuten wäre: die Zufriedenheit und die aktuelle Stimmung ebenso wie die Einstellung zu bestimmten Aspekten der Organisation, die Einschätzung der Zusammenarbeit und die Sicht auf die Führungskraft. Dazu kommen die individuellen Wünsche und Vorstellungen der Teammitglieder, die kulturellen Aspekte des Teams, seine Prioritäten und die Themen, die es gerade beschäftigen, bis hin zu ausführlichen Momentaufnahmen, Situationsanalysen und der Abbildung informeller Strukturen.
Ebenso breit ist das Instrumentarium. Es reicht von standardisierten Umfragen über offene Einzelinterviews und die Inhaltsanalyse schriftlicher Befragungen bis zu teilnehmenden Beobachtungen in Meetings, in eigens angelegten Gruppendiskussionen oder Workshops. Vor allem Befragungsformate wie Mitarbeitendenbefragungen, Pulse Checks oder themenzentrierte Surveys ermöglichen einen ersten Blick auf den Zustand des Teams und sind die erste Vertiefungsstufe. Teamdiagnostik kann damit selbst zu einem mehrstufigen Prozess werden: Nach dem ersten Stimmungsbild lassen sich gezielt weitere Untersuchungsinstrumente ansetzen, dort, wo das Bild noch unscharf bleibt.

Rohdaten sind noch kein Ergebnis

Was Teamdiagnostik allerdings ausmacht, ist nicht die Erhebungspraxis allein und schon gar nicht die bloße Beschreibung dessen, was die Rohdaten offensichtlich hergeben. Erst die richtige Verarbeitung dieser Daten führt zu tragfähigen Schlussfolgerungen, zu nachvollziehbaren Interpretationen und zu der Möglichkeit, die deskriptiven Ergebnisse zusätzlich im organisationalen, branchenbezogenen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext zu betrachten. Denn oft stellt sich heraus, dass die Herausforderungen im Team ihren Ursprung in strukturellen Gegebenheiten oder im Arbeitsethos einer ganzen Branche haben. In diesem Fall sind gewisse Aspekte im Team anders zu betrachten, als wenn sie tatsächlich teamspezifisch wären, und die Maßnahmen werden in der Folge an anderer Stelle angesetzt.
Teamdiagnostik ersetzt das Hinspüren also nicht. Sie erweitert seine Reichweite: dorthin, wo die Selbstverständlichkeiten des eigenen Alltags beginnen.

Wieder im bewährten Online-Format zwischen 8:30 und 9:45 mit Gerhild Deutinger und Martina A. Friedl. Diesmal widmen wir uns dem Thema Führungskultur. Einladung folgt.
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© Alexander Brenn

Sara Piatek

Gute Beratung braucht zunächst eine genaue Diagnose. Sara Piatek verbindet bei impulsbüro. sozialwissenschaftliche Methodik mit dem Blick für organisationale Zusammenhänge: von Kompetenzanalysen über Mitarbeiter*innen-Befragungen bis hin zu ethnographischen Beobachtungen und Situationsanalysen. Mit dieser Basis begleitet sie Beratungsprozesse, Klausuren und Workshops. Als Organisationssoziologin liegt ihr Schwerpunkt auf der internen Kultur und den Beziehungsdynamiken, die Zusammenarbeit und Führung in Organisationen prägen.

Mag.a Eva de Wilde

Heilpädagogin, psychosoziale Beraterin, zertifizierter Life Coach und traumasensible Prozessbegleiterin. Der Schwerpunkt ihrer aktuellen Arbeit liegt in der Begleitung von Frauen in körperlichen, seelischen und persönlichen Veränderungsprozessen. In ihrer Arbeit verbindet sie fachliche Kompetenz mit persönlicher Tiefe und einem feinen Verständnis für die Auswirkungen von biografischen Prägungen und anhaltenden Belastungen im Zusammenhang weiblicher Lebensrealitäten. Bei uns im impulsbüro. begleitet Sie Frauen als einfühlsame Gesprächspartnerin bei beruflichen Übergängen und neuen Lebensabschnitten. Dabei stehen die respektvolle und individuelle Begleitung jeder einzelnen Person im Mittelpunkt.

Mag.a Isabella Hafner

Isabella Hafner begleitet seit 2013 Projekte an der Schnittstelle Mensch, Organisation und technischer Umsetzung. Ihre Erfahrung umfasst die operative Planung internationaler Rollouts ebenso wie die Führung interdisziplinärer Teams in der Softwareentwicklung. Sie verfügt über fundierte Kenntnisse in der Einführung agiler Strukturen und Tools sowie in der Begleitung KI-gestützter Projekte. Sie ist diplomierte Kommunikationstrainerin und Mentaltrainerin.
© Katharina Schiffl

Mag Alois Schrems

Steht für umfassende und systemisch geprägte Strategie- und Prozessberatung. Der Volkswirt bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Industrie, bei Sozialpartnern und in Behörden ein, ist Absolvent der Hochschule St.Gallen / Certified Strategic Management und begleitet Kunden bei Change Management Prozessen, im Redesign von Abläufen und bei der Neuausrichtung ihrer Geschäftstätigkeit. Seine Leidenschaft liegt im Aufbau von CSR-Prozessen.
© Ina Manuguerra

Dr.in Martina A. Friedl

Dr.in Martina A. Friedl ist promovierte Chemikerin, Unternehmensberaterin, zertifizierte Erwachsenenbildnerin und Coach. Zusätzlich absolvierte sie eine Weiterbildung in systemischer Organisationsberatung und ist systemische Psychotherapeutin.
© Anna Fichtner

Sabine Bertassi

Sabine Bertassi hat sich auf die Stimme spezialisiert. Als ausgebildete Sängerin kennt sie alle Facetten der Stimme, aber auch die vielen Anwendungsbereiche außerhalb der Bühne, in der eine gut-sitzende Stimme, professionelles Auftreten und eine kongruente Botschaft entscheidend sind. Sie war jahrelang als Personalentwicklerin und im Tourismus tätig. Im impulsbüro. trainiert sie Führungskräfte bei Auftritten und coacht Kunden, die sich beruflich neu orientieren möchten. Mehr über sie unter www.articolare.at.

Magdalena May, MSc

Ist Arbeits- & Organisationspsychologin. Als Graphic Facilitator glaubt sie vor allem an die Kraft von Bildern und bringt mit Strich und Farbe nicht nur kreative Anregung sondern auch Informationsverdichtung und Struktur. Die ausgebildete Agile Coach begleitet Teamprozesse vor allem mit gruppendynamisch geschultem Blick und Feingefühl. Zudem ist sie in der Forschung tätig und publiziert zu Themen rund um die Arbeit der Zukunft und die Rolle von Technologie & Robotik.
© Manfred Baumann

Gabriele Strodl-Sollak, MA

Kommunikation beginnt, wenn man auf den anderen zugeht. Es gibt wenige Berater, die diese Fähigkeit in gleicher Perfektion ausüben wie Gabriele Strodl-Sollak, die 2006 das Unternehmen Sollak Kommunikationsarchitekten gegründet hat. Zuvor war Gabriele Strodl-Sollak Pressesprecherin bei einem bekannten Unternehmensberater und Consulter einer namhaften PR-Agentur. Spezielle Ausbildung in Diversity Management.
© Katharina Schiffl

Mag.ª Gerhild Deutinger

Gründerin und Geschäftsführerin von impulsbüro.
Es gibt sie, die optimale Kommunikation: mit diesem Ziel hat Gerhild Deutinger 2007 impulsbüro. gegründet. Zuvor war die gebürtige Salzburgerin als Pressesprecherin im regierungsnahen Umfeld und bei Medien tätig. Sie hat im Generali-Konzern mehrere Jahre Medien und Vorstände betreut und als Senior Consulter einer großen Agentur CEOs und Kommunikationsverantwortliche beraten. Spezielle Ausbildungen für systemische Organisationsberatung, Leadership und Kreativitätstechniken. Mehr über Gerhild Deutinger finden Sie hier